Catharina Fingerlin (1678–1771) ist die jüngste Tochter des Kaufmanns Johann Albrecht aus Leutkirch (D). Albrecht und seine Nachfolger, die Familien Furtenbach, von Eberz, Fingerlin und Scheidlin, begründen um 1700 das Arboner «Leinwandzeitalter». Mit dem Import und der Veredelung preisgünstiger «Schwabenleinwand» konkurrenzieren sie erfolgreich die Rorschacher und St. Galler Kaufleute. Ihre Wohn- und Geschäftshäuser, wie das «Rothe Haus», die «Straussfeder» oder das Stadthaus, sind sichtbare Zeugen dieser Epoche.
Über Catharina Fingerlins Leben wissen wir relativ wenig. Dabei hätte sie uns viel zu erzählen, umfasst ihr Leben doch beinahe hundert Jahre. Geboren in Lyon (F), heiratet sie 1699 den aufstrebenden Kaufmann Veit Daniel Fingerlin (1675–1727). Die Hochzeit findet in Ulm statt, in der Geburts- und Heimatstadt ihres Mannes. Kurz nach der Heirat zieht sie mit ihrem Ehemann nach Lyon. Ihre gemeinsamen Kinder werden, soweit bekannt, alle in Frankreich geboren. Eine Tochter, Susanna (1703–1765), bleibt ledig. Die beiden Söhne, Johann Daniel Fingerlin-von Scherer (1702–1772) und Johannes Fingerlin-Schaaf (1708–1776), werden tüchtige Kaufleute und Bankiers.
Im März 1727 verstirbt Catharinas Gemahl Veit Daniel. Sie überlebt ihren Gatten um ganze 44 Jahre. Erst am 14. Juni 1771 stirbt sie mit 93 Jahren in Lyon. Um den aggressiven und wütenden Schmähungen der katholischen Bevölkerung zu entgehen, erfolgt ihr Begräbnis nachts um 23 Uhr im Fackelschein.
Rolf E. Kellenberg, Archivar




